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jangled nerves inszeniert Automobilproduktion in der Autostadt

Eine neue Ausstellung bereichert die Autostadt in Wolfsburg, Kommunikations-Plattform des Volkswagen Konzerns. Auf nur 260 Quadratmetern gelingt es der Kreativ-Agentur jangled nerves, die Produktion von Automobilen umfänglich zu inszenieren und zugleich in didaktisch vorbildlicher Weise zu veranschaulichen. Schnittmodelle – reale Ausschnitte von Karosserien – halten sich die Waage mit aufbereiteten Informationen über einem komplexen Industrie- und Fertigungsprozess. An dessen Ende stehen die Produkte.
Betitelt ist die Ausstellung wenig prosaisch mit „Autowerk – Portal zur Produktion“. Sie soll aber auch nicht nur Automobilbegeisterte begeistern, sondern auch diejenigen, die sich für ausgereifte Produktionsprozesse interessieren. Ergänzend zu den Werktouren, die Jahr für Jahr tausende Besucher anlockt, wollte die Autostadt eine Dauerausstellung zum Thema Produktion aufbauen.
Gemeinsam mit dem Inszenierungsteam der Autostadt machte sich jangled nerves daran, ein Konzept für die Dauerausstellung zu erarbeiten und umzusetzen. Die Kreativ-Agentur aus Stuttgart hat bereits die räumlich-mediale Inszenierung im Porsche-Pavillon in der Autostadt erfolgreich umgesetzt. Das rund 40-köpfige interdisziplinäre Team mit Thomas Hundt und Ingo Zirngibl an der Spitze konnte dafür Design, Museumsgestaltung, Ausstellungsarchitektur sowie Film- und Medienproduktion plus Interaktion einbringen.
Der Erlebnisraum, den es für die Autostadt zu kreieren galt, nimmt 260 Quadratmeter Ausstellungsfläche im sogenannten KonzernForum ein. „Wir mussten in den Grundriss erheblich eingreifen“, berichtet Zirngibl, „um ihn für unsere Intention vorzubereiten.“ Die Idee, sieben Stationen der Produktion auszuwählen und an ihnen jeweils gleich mehrere Aspekte zu erläutern, bildet das Rückgrat der Ausstellung. Dazu kommt die Präsentation der aufgereihten Schnittmodelle in Einzelportalen, die einen Raum im Raum suggerieren. Es handelt sich dabei um reale Aus- oder Abschnitte von Karosserien, wie sie im ausgewählten Prozesstakt tatsächlich zu finden sind. Besucher können jedes Schnittmodell ohne Zwangsabstand umrunden und erhalten zu den einzelnen Produktionsschritten – vom Presswerk bis zur Qualitätskontrolle – detaillierte Hinweise.
Jedem Schnittmodell ist ein charakteristisches Attribut wie innovativ, wirkungsvoll oder individuell, ein typisches Werkzeug und eine interaktive Station mit Multitouch-Monitoren für vertiefende Informationen zugeordnet. In der optischen Addition ergeben die einzelnen „Scheiben“ zwar wieder ein komplettes Fahrzeug, aber es setzt sich aus sieben Marken des Konzerns zusammen. Am Ende der Portalreihe nimmt ein raumgroßer Screen die Besucher mit auf eine virtuelle Werktour.
Vom Eingang aus hinter den Schnittmodellen steht im Halbrund eines separierten Ausstellungsbereiches der Mensch im Fokus. Hier geht es in einer Großvitrine mit teilweise interaktiven Bildschirm-Präsentationen um Arbeitsschutz, Qualität, Geschichten aus der Produktion und Ergonomie – verteilt über die Marken des Unternehmens.
Unabhängig von den attraktiven und detailgenauen Modellen inklusive den erwähnten Zusatzinformationen und dem Film bietet die Ausstellung zwei ergänzende Info-Pools: Die „Welt der Produktion“ mit Pepper’s Ghost Vitrinen – ein nach John Henry Pepper benannter und im 18. Jahrhundert entwickelter Illusionstrick mit Spiegeln – vermittelt übergeordnete Themen wie Arbeitsteilung, Entfremdung der Arbeit und die Individualisierung von Industrieprodukten. Die „Interaktive Produktion“ schließlich erhellt per Medientisch und Einzelmonitoren die komplexen Zusammenhänge zeitlicher, personeller, organisatorischer und materieller Aspekte der Automobilproduktion bei Volkswagen.
Thomas Hundt und Ingo Zirngibl gründeten jangled nerves 1998. Seither hat sich das inhabergeführte Stuttgarter Unternehmen zu einem international tätigen und mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Spezialisten für Kommunikation im Raum entwickelt. Die rund 40 Mitarbeiter bilden ein interdisziplinäres Team, das die Kompetenzen einer Kreativ-Agentur für Konzeption und Design, eines Planungsbüros für Museumsgestaltung und Ausstellungsarchitektur sowie einer Produktion für Film, Medien und Interaktion unter einem Dach bündelt.
Info: www.jn.de

Inszenierung der Automobilproduktion in der Autostadt (Foto: Lukas Roth)

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