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Trendanalyse zur Corona-Pandemie von degefest

Auswirkungen der Corona-Pandemie hat der degefest Verband der Kongress- und Seminarwirtschaft in einer Studie ermittelt. Befragt wurden Mitglieder aus den eigenen Reihen. Das sind zu 85 Prozent Kongress- und Veranstaltungszentren, Bildungszentren sowie Häuser der Tagungshotellerie. Deren Umgang mit der Krise, die Erfahrungen aus der Pandemie und Einschätzungen zur Zukunft stehen im Fokus der Studie.

Rund zwei Drittel der Befragten (66,7 Prozent) sehen Chancen besonders im Bereich neuer Veranstaltungsformate und hierbei vor allem bei partizipativen Formaten und Hybridveranstaltungen. Rund ein Drittel (33,9 Prozent) setzt auf verstärkte Akquisitionsbemühungen. Bei einem Viertel (25,9 Prozent) dominiert der Optimismus, dass Präsenzveranstaltungen „schon bald“ wieder zunehmen werden.

Eine große Mehrheit der Antworten (70,4 Prozent beziehungsweise 38 von 54) geht davon aus, dass das Veranstaltungsangebot in Zukunft differenzierter gestaltet werden muss. Differenzierungsmerkmale seien etwa das wirtschaftliche Potential von Kunden, Hygienekonzepte oder auch die stärkere Konzentrierung auf lokale Firmen und Verbände. Als Dienstleistungen würden die technische Übertragung in mehrere Räume als Streaming sowie Reinigungs- und Sicherheitsdienste die größte Zunahme erfahren. Jeder Dritte merkt allerdings an, dass die Kunden für erhöhten Hygieneaufwand keine höheren Rechnungen bezahlen wollten.

Auch im Bereich der gastronomischen Erlöse entstehen große Herausforderungen. Portioniertes Essen, mehr Platzbedarf durch Abstand und weniger Exklusivität werden als mögliche nachhaltige Veränderungen genannt. Schrumpfen wird die Nachfrage nach Rahmen- und Begleitprogrammen, Teambuilding- und Incentive-Angeboten sowie der Barbetrieb – also Formaten, bei denen die Wahrung von Abstand schwer zu realisieren ist.

Weiterhin haben die Befragten der degefest-Studie positive, aber auch negative Auswirkungen aufgrund der vermehrten Anzahl der hybriden Veranstaltungen erkannt. Positiv etwa seien: Die Erweiterung der Teilnehmerkreise über die Raum- beziehungsweise Bestuhlungskapazitäten hinaus, die Generierung weiterer Umsätze durch das Anbieten von zusätzlichen IT-Leistungen oder schnellere Amortisierung von Investitionen in die Kommunikationstechnik. Veranstaltungen, die ansonsten abgesagt werden müssten, können vielleicht online stattfinden, was sowohl niedrigere Personal- und Reinigungskosten verursacht als auch die Kundenkontakte intensiviert. Außerdem lassen sich bestimmte Formate wie beispielsweise Hauptversammlungen nach aktuellem Recht weiterhin hybrid realisieren. Auch die Raumbelegung gestaltet sich in der Terminierung flexibler.

Dem stehen Umsatzverluste im Vermietgeschäft durch geringere Teilnehmerzahlen mit parallelem Rückgang der Einnahmen im F&B-Bereich gegenüber. Umgekehrt erhöht sich der finanzielle und technische Aufwand erheblich, da neue Prozessabläufe erst gelernt werden müssen – zum Beispiel durch Mitarbeiterschulungen – sowie hohe Investitions- und Betreuungskosten in der IT-Technik entstehen können.

Bei einer Verdrängung der Präsenzveranstaltung drohen der Verlust der persönlichen Kundenkontakte, von Arbeitsplätzen sowie im schlechtesten Fall gar der Existenzberechtigung des Veranstaltungshauses. Die Gefahr, dass hybride Veranstaltungen künftig von rein digitalen Formaten verdrängt werden, beantworten die Befragten mit leichter Tendenz, dass dies nicht der Fall sein wird. Über 18 Prozent (18,37 Prozent) glauben dagegen an eine Renaissance der physischen Begegnungen.

16,3 Prozent der befragten Betreiber der Veranstaltungshäuser geben an, dass ihre rein digitalen Veranstaltungen profitabel seien. Dennoch sehen viele die Notwendigkeit, dass ihr Haus in den Bereichen Technik, Internet-Übertragungsgeschwindigkeit und Fachwissen des Personals „aufrüsten“ muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Kunden werden im Hinblick auf den Hybrid-Tool-Einsatz oft noch als unerfahren angesehen, was einen intensiven Beratungs- und Betreuungsaufwand erfordert (48,1 Prozent der Antworten).

Knapp 80 Prozent der Befragten melden einen starken Rückgang der Buchungen im 4. Quartal 2020 gegenüber dem Vergleichsquartal in 2019. Dennoch habe sich die Situation insgesamt noch nicht signifikant negativ auf die Personalpolitik ausgewirkt – wohl ein Indiz dafür, dass Hoffnung in die Zukunft des Geschäftsfeldes besteht.

Die Daten zur Studie wurden im Rahmen einer Online-Befragung im Zeitraum Mitte Juli bis Mitte August 2020 erhoben.

Info: www.degefest.de

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